17Wenn ein Kind oder Jugendlicher unheilbar an Krebs erkrankt ist, ist das immer eine traurige Angelegenheit. Eine tieftraurige Angelegenheit. So traurig und fürchterlich, dass man kaum Worte dafür finden kann. Es wird sterben, über kurz oder lang. Umso bemerkenswerter ist es, dass John Green sie trotzdem gefunden hat. Die Worte, und noch dazu die richtigen. Die, die mitten ins Herz treffen, einen weinen und lachen lassen – und das manchmal beides zugleich.

Hazel Grace und Augustus lernen sich rein zufällig in einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche kennen. Sie: Ursprünglich Schilddrüse, aber mit hartnäckigen Metastasen in der Lunge. Prognose: Schlecht bis ganz schlecht. Er: Osteosarkom. Ausgeheilt. Und eigentlich begleitet er auch nur seinen Freund Isaac (Augenkrebs. Steht kurz vor der Entnahme des zweiten Auges und damit vor dem Blindsein).

Es ist ganz und gar nicht untertrieben, wenn ich sage, dass Hazel und Augustus füreinander geschaffen zu sein scheinen. Auch wenn vor allem Hazel das nicht zulassen will. Wie soll sie sich verlieben, wenn sie nicht weiß, ob sie das nächste Weihnachtsfest noch erleben wird? Wie kann sie es verantworten eventuell ein Herz zu brechen? Und wie knutscht man überhaupt, wenn man ständig auf ein Sauerstoffgerät angewiesen ist?

Sie tut es dennoch. Und darauf folgt wohl eine der schönsten und bittersüßesten Liebesgeschichten, die ich kenne. Und für die mir noch immer die Worte fehlen, um sie angemessen zu beschreiben.

Hazel und Augustus sind ganz besondere Charaktere. Sie sind keine typischen Teenager, die Krankheit hat sie reifer und erwachsener gemacht, als vielleicht gut für sie wäre. Sie erlauben sich Spleens und kümmern sich nicht darum, was andere von ihnen denken – besonders Hazel ist eine Individualistin, wie man sie selten in Jugendromanen findet. Sie hat eine bemerkenswerte Art gefunden, mit ihrer Krankheit umzugehen. Sie romantisiert sie nicht und Krebsbücher findet sie ohnehin scheiße. Einerseits ist das sehr realistisch und erwachsen, andererseits wirkt es teilweise auch sehr distanziert und abgestumpft. Will dieses junge Mädchen denn nicht mit aller Macht ums Überleben kämpfen? Oder sehe ich nur nicht, wie sie es jeden Tag ohnehin schon tut, auf ihre Art eben, auf eine Art, mit der sie das Leben jeden Tag aufs neue zu genießen versucht.

Obwohl es ein todtrauriges Thema ist, versteht es John Green immer genau die richtigen Worte zu finden. Er drückt nicht künstlich auf die Tränendrüse, seine Beschreibungen betteln nicht um Mitleid – denn seine Hauptfiguren tun es auch nicht. Er erlaubt uns, trotz allem zu schmunzeln und auch zu lachen, denn Hazel und Augustus tun es ja auch. Er schenkt ihnen und uns Momente voller Leichtigkeit. Er packt Hazel und Augustus nicht in Watte, er mutet ihnen Enttäuschungen zu, die man ihnen in ihrer Situation vielleicht hätte ersparen können. Er macht den Krebs zu einem Nebendarsteller.

Und trotzdem schwingt bei allem immer ein Hauch von Traurigkeit mit. Es ist wie der letzte schöne Tag im Sommer, von dem man weiß, dass er irgendwann vorbei sein wird, und den man trotzdem genießen kann und will. Den man genießen MUSS.

Ich denke, ich verrate auch nicht zu viel, wenn ich sage, dass Das Schicksal ist ein mieser Verräter kein Happy End hat. Wie hätte es auch eins haben können? Trotz aller Traurigkeit, die auf den letzten Seiten klebt, hätte ich mir kein anderes Ende vorstellen können. Ich glaube, ich habe ein neues Lieblingsbuch.


The Fault in Our Stars
Aus dem Englischen von Sophie Zeitz
Verlag: dtv
Erschienen am 1. Mai 2014
Genre: Jugendliteratur
Format: Paperback
336 Seiten
ISBN-13: 978-3423625838