Bücher, Mond und Sterne

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Kategorie: Gefragt

*Gefragt* Im Interview: Nana Spier

Kaum eine Hörbuch-Reihe hat mich in letzter Zeit so unterhalten wie die Evernight-Reihe von Claudia Gray. Gelesen wird diese von der Berliner Schauspielerin und Synchronsprecherin Nana Spier, die so freundlich war, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Frau Spier, vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, meine Fragen zu beantworten. Mögen Sie eigentlich Vampire?

✰ Ja, ich mag Vampirgeschichten. Meine erste Hörbuchplatte war Dracula von Europa… Großartiger Grusel!!!

Sie sind die deutsche Stimme von Buffy, und mit Evernight betreten Sie dieses Terrain ja erneut – haben Sie eine besondere Beziehung zum Fantasy-Genre?

✰ „Buffy“ verdanke ich eine ganze Reihe toller Fantasy-Hörbücher, die ich lesen durfte. Das find ich toll. Ich bin lieber Vampir als Vampirjäger habe ich festgestellt… Vor allem die Vampire, die so bisschen böse sind, die find ich super… Ich mag die Vorstellung, dass die alle so alt sind und schon so viel erlebt haben. Das erweitert meine Spiel-Leseinterpretation ungemein.

Wie suchen Sie sich die Hörbücher aus, die Sie einsprechen wollen? Was muss ein Roman haben, damit Sie der Erzählerin Ihre Stimme leihen?

✰ Ein Roman muss vor allem eine gute Geschichte haben. In meinem Kopf müssen Bilder entstehen, sonst macht es mir a) keinen Spaß und b) dann bin ich auch einfach nicht so gut.

Gefällt Ihnen die Evernight-Reihe auch persönlich oder ist das nur ein Job für Sie?

✰ Über das „Evernight“-Angebot hab ich mich ganz besonders gefreut. Ich hab den ersten Teil von „Biss“ sehr gern gelesen und dachte „ach, den würde ich gerne einlesen“. Und dann kam „Evernight“ und ich fand die Story viel besser als „Biss“. Hihihi, und deshalb war ich sehr froh… Jetzt warte ich auf ein Spin-off von Mrs Bethany, sie ist mein Lieblingscharakter in „Evernight“.

Mit dem vierten Teil ist die Evernight-Reihe ja jetzt beendet. Haben Sie schon neue Projekte in Aussicht?

✰ Ich habe gerade einen sehr hübschen Roman von Alice Peterson eingelesen. Eine Frau, Mitte 30, verzweifelt, chaotisch, liebenswert mit Klatsche und Hund. Das ist nämlich das zweite Genre das ich sehr gern bediene…Als nächstes lese ich den Roman „Pinguinwetter“.

Wie sind Sie dazu gekommen, Hörbücher einzusprechen?

✰ Lübbe Audio gab mir als junge Schauspielerin mal eine Chance, ich glaube ich war 22 oder 23. Und so ging das los….

Welche Arbeit fasziniert Sie mehr – die als Schauspielerin oder die als Sprecherin? Und wie unterscheiden sich diese beiden Tätigkeiten für Sie ganz persönlich?

✰ Das ist das Tolle an meinem Beruf, er ist soooo vielseitig…. Ich liebe es Hörbücher einzulesen. Das ist wie Kino im Kopf machen. Aber ich könnte das nicht tagtäglich und ausschließlich machen. Das ist ja auch das geniale am Synchron, da kann ich jeden Tag in andere Rollen schlüpfen, immer andere Facetten zeigen. Und all die Empfindungen und Stimmungen, die ich da spiele, kann ich wieder in die Hörbücher einbringen.

Wie muss ich mir Ihre Arbeit als Sprecherin vorstellen? Wie sieht so ein Tagesablauf im Studio aus?

✰ Ich beginne gerne sehr früh, spätestens um 10:00, dann lese ich und lese ich bis mein Magen knurrt. Das ist meistens zwischen 12:00-12:30, dann unterbrechen wir kurz, ich esse eine Kleinigkeit, und dann geht es weiter so bis 15:00-16:00. Da brauche ich dann meistens einen Kaffee und was Süßes weil die Konzentration nachlässt… Und dann, je nach Studio, machen wir noch bis 18:00 oder 19:00. Ich schaffe immer gern ein bisschen mehr als die Hälfte am ersten Tag, das ist wichtig für die Psychologie… Der Berg (Blätter) ist dann nicht mehr so hoch. Ich glaube, man würde mich als sehr ehrgeizige und sportliche Sprecherin bezeichnen. Der oder die arme Person in der Regie muss sich wahnsinnig gut konzentrieren können, weil ich eine furchtbare Schummlerin bin. Ich drehe die Worte oft so schlimm um, das es zwar immer noch einen Sinn ergibt, aber eben nicht das ist was im Skript steht.

Hören Sie selbst auch Hörbücher? Und wenn ja, haben Sie ein Lieblingshörbuch? Einen Lieblingssprecher?

✰ Ich habe zwei Kinder, die sehr gerne Hörbücher hören. Da hört man dann eben mit, aber ich bin froh, dass die Bibi Blocksberg/Benjamin Blümchen- Phase jetzt vorbei ist. Meine absolute Lieblingssprecherin ist Sascha Icks, ich bin ein echter Fan….Sie macht das großartig… Die „Penderwicks“-Reihe habe ich am liebsten.

Vielen Dank für das Interview!

Wer sich für meine Rezensionen zu Evernight interessiert, klickt einfach auf das Bild.

*Gefragt* Im Interview: Ilsa J. Bick

Bevor Ilsa J. Bick als Autorin bekannt wurde, war sie bereits Kinder- und Jugendpsychiaterin und hat einen Abschluss in Literatur- und Filmstudien gemacht. Für ihre Romane – vor allem ihre Star Trek Romane  – hat sie viele Preise gewonnen. Nachdem sie zuerst hauptsächlich Science Fiction geschrieben hat, widmet sie sich mit Ashes nun einem jugendlicheren Zielpublikum zu. Zur Zeit lebt sie in Wisconsin.

Ilsa J. Bick hat sich bereit erklärt, mir einige Fragen zu ihrer Person und ihren Romanen zu beantworten.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten. Beantworten Sie gerne solche Anfragen wie meine oder betrachten Sie es eher als Pflicht?

 ✰ Nein, keine Sorge. Die Fragen von anderen Menschen lassen mich nur genauer auf das schauen, vom dem ich dachte, ich wüsste es schon. Sie wären erstaunt, wie viele Aspekte ich so in Ashes entdeckt habe.

Wie wichtig ist die Reaktion der Leser für Sie? Nehmen Sie sich die Kritik der Leser zu Herzen und beachten vielleicht auch einige Aspekte, wenn Sie Ihren nächsten Roman schreiben?

 ✰ Ich will ehrlich sein; jeder hat seine eigene Meinung und es gibt keinen idealen Leser; und kein Buch, das ich jemals schreiben möchte, könnte von einem, Gremium erschaffen werden. Wenn ich versuchen würde, es allen recht zu machen, würde ich trotzdem immer jemanden übergehen. Aus demselben Grund habe ich nie einer Schreibgruppe angehört. Verstehen Sie mich nicht falsch; ich höre mir an, was Menschen mir zu sagen haben. Da ist zum Beispiel kein Platz für das eigene Ego wenn man mit seinem Lektor spricht. Aber letztendlich bin ich als einzige dafür verantwortlich, was auf eine Seite gedruckt wird.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen Ihren Job als Psychiaterin – einen sehr interessanten Job, wie ich finde – aufzugeben und vom Schreiben zu leben? Haben Sie schon immer davon geträumt, Ihr Geld als Schriftstellerin zu verdienen?

✰ Die Antwort auf die erste Frage ist einfach: Ich habe meinen Job aufgegeben,  weil ich begriffen habe, dass ich klare Verhältnisse schaffen muss, wenn ich wirklich Schriftstellerin werden möchte. Ärztin zu sein ist ein sehr zeitraubender Job, und da ich meine Praxis alleine geführt habe, hatte ich 24 Stunden am Tag Dienst. Das heißt nicht, dass ich nicht geschrieben habe. Das habe ich und ich habe es geschafft, Geschichten und Romane zu veröffentlichen. Trotzdem sind mein Mann und ich überein gekommen, dass ich mich nur noch aufs Schreiben konzentrieren sollte um damit erfolgreich zu werden.

Aber nein – ich habe nie davon geträumt, Schriftstellerin zu werden. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal machen würde, abgesehen davon, einen Star Trek Roman zu schreiben (was ich getan habe – und ich bin fürchterlich gescheitert). Aber dadurch wurde mein Wunsch geweckt, zu schreiben; und dann hat mich der Spaß am Erschaffen von Geschichten und Büchern bei der Stange gehalten. Aber eigentlich war es eine Mutprobe, mit dem Schreiben anzufangen.

Wie haben Sie damit angefangen, Geschichten und Romane zu schreiben? Und wie haben Sie Ihren ersten Roman veröffentlicht? Ich glaube, dass viele Menschen davon träumen, eines Tages einen Roman zu veröffentlichen – was würden Sie denen sagen, wenn sie Sie um Rat fragen würden?

✰ Wie schon gesagt, habe ich als eine Art Mutprobe mit dem Schreiben angefangen. Ich langweile mich sehr schnell und als ich in meiner psychiatrischen Praxis war, bin ich wieder zur Abendschule gegangen und habe meinen Master in Kunst mit dem Schwerpunkt auf Film und Literatur gemacht. So habe ich angefangen, Fachtexte über Filme und Psychoanalyse zu veröffentlichen und zu präsentieren – und dann, eines Tages hat mein Mann mich dazu herausgefordert einen Schritt weiter zu gehen. Er sagte, ich solle den ganzen akademischen Kram vergessen und versuchen etwas Kreatives zu schreiben. Zuerst dachte ich, er hat den Verstand verloren, aber ich habe die Herausforderung noch nie gescheut, oder jedenfalls selten. Zwei, drei Jahre  – und ungefähr 30 Geschichten und sechs zu recht unveröffentlichten Büchern – später, wollte ich nur noch aufgeben.

Durch einen Zufall habe ich dann eine Anzeige für einen Star Trek Geschichten-Wettbewerb gesehen – Strange New Worlds hieß der. Um es kurz zu fassen – man sollte eine Geschichte schreiben, die in einem der Star Trek Universen (aus der Serie) spielt und sie an Pocket Books schicken. Also dachte ich mir, „Okay, dieses eine letzte Mal noch und dann lasse ich es“. Innerhalb einer Woche habe ich eine Geschichte geschrieben, sie abgetippt, abgeschickt und das Ganze wieder vergessen. So schnell hatte ich noch nie etwas geschrieben, und das war Ende August 1998.

Um es abzukürzen, spulen wir jetzt vor bis November. Am Tag vor Thanksgiving hat mich ein Lektor von Pocket Books angerufen und mir gesagt, dass ich den Hauptpreis im Wettbewerb gewonnen hätte. Das hat mich von den Socken gehauen. Ich hatte nicht nur Geld für die Veröffentlichung bekommen, ich hatte auch genug Preisgeld gewonnen um einen Kühlschrank kaufen zu können. 🙂

Außerdem hatte ich so eine wertvolle Lektion, jedenfalls für mich selbst, gelernt, nämlich schnell zu schreiben. Je langsamer ich schreibe, desto mehr tendiere ich dazu, mich selbst zu zensieren.

Die Gewinner-Geschichte „A Ribbon for Rosie“ hat mir das Selbstbewusstsein geben, es immer und immer wieder zu versuchen. Ich habe noch einige weitere Preise gewonnen und dann wurden meine Kurzgeschichten nach und nach veröffentlicht. Das führte zu einem Anruf von einem Lektor bei Pocket Books, der fragte ob ich einen Star Trek Roman für die Serie Die verlorenen Jahre schreiben wolle. Natürlich habe ich ja gesagt.

Und so hat alles angefangen.

Was den Ratschlag angeht, kann ich Ihnen nur sagen, was für mich funktioniert hat und das ist auch nur ein Auszug aus Robert Heinleins Regeln, die auch von anderen Autoren erweitert wurden (mir inklusive):

a) Du musst schreiben.

b) Du musst beenden, was schreibst.

c) Du musst aufhören deine Texte zu redigieren – außer wenn ein Lektor dich darum bittet – und auch dann NUR wenn du damit einverstanden bist.

d) Wenn man deine Texte ablehnt – und das wird passieren – musst du deine Arbeit präsent halten bis sie sich verkauft. (Schau trotzdem in die Ablehnungsschreiben. Manchmal findet man dort einen Anhaltspunkt, einen Grund warum die Geschichte oder der Roman abgelehnt wurde. Wenn du damit übereinstimmst, versuche, das auf dein Manuskript zu übertragen. Wenn nicht, ignorier den Brief und mach weiter.)

e) Du musst sofort mit dem nächsten Projekt beginnen. (Wirklich. Darauf zu warten, dass jemand etwas über deine Geschichte oder deinen Roman sagt, ist der Todesstoß. Arbeite immer am nächsten Projekt.)

Nur wenige Ihrer Romane sind bis jetzt ins Deutsche übersetzt worden. Wissen Sie warum?

✰ Nein. Aber Der Zeichner der Finsternis ist auf Deutsch erhältlich, genau wie meine MechWarrior Romane.

Wie wichtig ist es für Sie, dass ihre Romane in anderen, vor allem in nicht englischsprachigen Ländern veröffentlicht werden? Wie ist Ihre Beziehung zu Ihren Lesern, zum Beispiel in Deutschland?

✰ Ich liebe es einfach! Ich war kürzlich in Großbritannien und Irland auf Lesereise für Ashes, und auch wenn man dort englisch spricht, fand ich es sehr interessant zu erfahren, wie Kinder in anderen Kulturen bzw. anderen Ländern auf das Buch reagieren. Schriftsteller sind Unterhalter und mitteilende Menschen, und so fühle ich mich jedes Mal geschmeichelt, wenn ich von Menschen aus anderen Ländern Nachrichten bekomme.

Warum haben Sie sich dazu entschlossen eine Dystopie für Jugendliche zu schreiben? Dieses Genre ist sehr beliebt im Moment.

✰ Es ging mir nicht darum, einem Trend zu folgen oder dergleichen. Ich habe einfach das geschrieben, was ich im Gefühl hatte. Ich meine, welcher Teenager würde nicht gerne die ganze Welt in die Luft jagen oder denkt, er könne alles besser machen als seine Eltern? Ich bin außerdem mit Science Fiction aufgewachsen, einem Genre  in dem Weltuntergangsszenarien einfach dazu gehören. Ganz ehrlich, ich habe einige Dystopien für Jugendliche gelesen und fand sie ganz nett, aber in vielen waren die Charaktere einfach zu brav. Ich wollte etwas schreiben, was sich für mich authentisch anfühlt, das wissenschaftlich fundiert ist und wirklich passieren könnte.

Wie sind Sie auf die Idee zu Ashes gekommen? Ich finde die Idee einer elektromagnetischen Druckwelle einzigartig – ich habe jedenfalls noch nichts in der Art gelesen.

✰ Wie gerade gesagt: Ich wollte etwas schreiben, von dem ich wusste, dass es a) mitreißend, b) verheerend c) möglicherweise weltumfassend und d) theoretisch möglich ist. Als Ärztin – und als Computerfreak – dachte ich, dass elektromagnetische Pulse gut passen würden. Unser Kongress vor einigen Jahren hat eine Menge Vorträge über die Gefahren eines Angriffs mit Hilfe eines elektromagnetischen Pulses gehalten und kam dann zu dem Schluss, dass wir keine geeignete Abwehr dagegen haben. Ich kenne einige Experten für Politik und Kriegsstrategie, die schon seit Jahren über diese Bedrohung besorgt sind. Also war es kein großer Sprung für mich.

Ich denke, dass die Vorstellung von mutierten Teenagern, die sich wie Monster benehmen, ziemlich angsteinflößend ist, und ich frage mich immer wieder, ob das für Jugendliche nicht zu beängstigend ist. Oder sind das nur wir Erwachsenen, die sich zu viele Gedanken darüber machen, was Jugendliche alles aushalten können?

✰ Die ganze Popkultur – Filme, Bücher, Fernsehen, Musik – ist ja voll von Darstellungen monströser Teenager, weil eben gerade Erwachsene viele ihrer Unsicherheiten und Ängste auf Kinder projizieren. Als Seelenklempner kann ich Ihnen sagen, dass Jugendliche manchmal eine Menge tolerieren, nicht nur in der Schule oder auf der Straße, sondern auch in Familien wo Erwachsene sich selbst und Kindern furchtbare Dinge antun. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft ich mit Menschen in meiner Praxis begegnet bin, die den Menschen, von denen sie sagen, dass sie sie lieben, die schmerzhaftesten Dinge angetan haben.

Alex ist ein sehr starkes Mädchen – sie hat bereits ihre Eltern verloren und leidet an einem Hirntumor – was sie zu einem Vorbild für Jugendliche macht, wie ich finde. War das auch ihre Absicht als sie sie erdacht haben?

✰ Nicht wirklich. Ich wollte nur, dass sie authentisch ist und authentisch fühlt. Ich habe viele wirklich tapfere Kinder kennengelernt.

In Ashes sind die Grenzen zwischen Gut und Böse nicht wirklich eindeutig, und es gibt immer eine Wendung in der Handlung, was eine Menge Spannung erzeugt. Aber gibt es auch eine Person im Roman, die wirklich gut ist?

 ✰ Sehr schön, ich freue mich, dass Sie das erkennen. Die Mutierten sind nicht die einzigen Menschen, die sich hier verändern; sie sind nicht der einzige und auch nicht der gefährlichste Feind.

Ob es eine Person gibt, die wirklich gut ist, nun, da müssen Sie einfach abwarten.

Was wird Alex noch alles passieren? Was wird aus ihr und Tom werden? Wird es ein Happy End geben?

✰ Sie wissen doch, dass ich Ihnen das nicht erzählen kann. 🙂 Alles, was ich sagen kann ist folgendes: Netten Menschen werden schlimme Dinge zustoßen und alles wird noch viel, viel schlimmer werden.

Wird es noch eine Episode über Alex Familie geben. Ich frage mich immer wieder was mit Alex Tante passiert ist. Und wird das Rätsel über ihre Eltern aufgelöst werden?

 ✰ Man kann nicht alles wissen.

Ich denke, dass Ihre Romane viel Spielraum für Spekulationen lassen, was ich mag, weil ich mir dann selbst Fragen stelle und neugierig über die Charaktere bleibe. Hatten Sie geplant, dass mit Ihren Lesern so zu machen? Sie neugierig zu halten?

✰ Genau. Ich hasse Bücher, die mir alles erzählen. Ehrlich gesagt, beende ich die selten.

Ashes wird ja eine Trilogie werden. Was sind Ihre Pläne für die Zeit danach? Haben Sie schon Ideen, vielleicht für eine weitere Trilogie?

✰ Ja, sicher. Mein nächster Roman – ein gewagter Gegenwartsroman für Jugendliche, der Drowning Instinct heißen wird – wird im Februar 2012 bei Carolrhoda Lab erscheinen. Sin-Eater, ein zeitgenössischer vMystery-Roman für Jugendliche wird 2013 erscheinen, auch bei Carolrhoda Lab.

Auf dem Schreibtisch meiner Lektoren liegt im Moment der erste Band einer neuen Serie für Jugendliche, für die ich bisher zwei Bücher eingeplant habe, aber die ich auch ohne Probleme auf drei ausweiten könnte. Und ich werde anfangen, an einem neuen Einzelband zu arbeiten, sobald ich die Korrekturen und Überarbeitungen für SHADOWS, den zweiten Band der Ashes-Trilogie abgeschlossen habe.

Gibt es noch etwas, dass Sie Ihren deutschen Lesern sagen möchten?

✰ Fans die mich bei Twitter (@ilsajbick) und Facebook kontaktieren können immer mit einer Antwort rechnen. Also nicht schüchtern sein. Mein Deutsch ist zwar schrecklich, aber danke fürs Lesen!

 

 

Ich kann mich hier nur nochmals für das Inteview bedanken! Ich warte schon sehr gespannt auf den zweiten Teil der Ashes-Trilogie – und wer wissen will, wieso, der sollte sich meine Rezension zum ersten Teil durchlesen.

*Gefragt* Im Interview: Kelley Armstrong

Kelley Armstrong wurde 1968 in Ontario/Kanada geboren und hat sich schon immer am liebsten düstere Geschichten über Dämonen und Geister ausgedacht. Nachdem sie erst Psychologie und Informatik studierte, widmet sie sich seit 2002 nur noch dem Schreiben. 2001 wurde der erste Band ihrer Women of the Otherworld-Serie veröffentlicht (mittlerweile sind es 12). Die dunklen Mächte ist ihre erste Serie für Jugendliche.

Kelley Armstrong hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu dieser Serie zu beantworten.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten. Bekommen Sie viele solcher Anfragen? Mögen Sie solche Anfragen oder sehen Sie es eher als eine Art Pflicht an?

✰ Ich freue mich immer, wenn ich solche Anfragen bekomme, auch wenn für mich der Tag zurzeit nicht lang genug sein könnte!

Wie haben Sie mit dem Schreiben angefangen?

 ✰ Ich schreibe seit meiner Kindheit. Ich konnte schon früh lesen und wollte dann auch sehr schnell meine eigenen Geschichten schreiben. In meinen Zwanzigern habe ich angefangen, Romane zu schreiben und sporadisch Anfragen und Probekapitel an Verlage zu schicken, aber ich habe nie mehr als die Standardabsage erhalten. Also habe ich das aufgeben und mich darauf konzentriert, mein Schreiben zu verbessern. 1999 habe ich dann Die Nacht der Wölfin verkauft. Das war zwar der erste Roman, den ich veröffentlicht habe, aber nicht mein erster Roman an sich.

Wie entstand die Idee zu Die dunklen Mächte? Haben Sie die Serie von Anfang an als Trilogie geplant oder hat sich das während des Schreibens entwickelt?

✰ Ich hatte eine Idee, die von meinem zweiten Roman für Erwachsene, Rückkehr der Wölfin, inspiriert wurde, aber darin ging es darum, dass übersinnliche Wesen gerade in den Besitz ihrer Kräfte gelangen, was in meiner Welt ja in der Pubertät passiert. Das hätte nicht in eine Serie für Erwachsene gepasst. Ich hatte diese Idee noch immer im Hinterkopf als ich immer mehr E-Mails von Lesern bekam, von denen ich dachte sie seien zu jung um meine Bücher zu lesen! Also habe ich mich dazu entschlossen, es mit der Idee für junge Erwachsene auf einen Versuch ankommen zu lassen. Es war übrigens von Anfang an als Trilogie gedacht.

Um ehrlich zu sein, bin ich nicht wirklich zu Hause im Fantasy-Genre. All diese übernatürlichen Wesen haben mich eher gelangweilt als fasziniert, weil es mittlerweile so viele Romane über sie gibt. Was würden Sie jemandem wie mir erzählen, wie würden Sie sie davon überzeugen, Ihre Romane zu lesen?

✰ Zuallererst muss ich gestehen, dass ich wirklich schlecht darin bin, andere davon zu überzeugen, dass sie meine Bücher lesen sollten. Es fühlt sich so aufdringlich an. Wenn ich aber gar nicht darum herumkomme, sage ich für gewöhnlich:

„Es ist ein Fantasy Thriller über ein Mädchen im Teenager-Alter, das plötzlich beginnt, Geister zu sehen und in eine Einrichtung gebracht wird, wo sie sehr schnell herausfindet, dass diese nicht ist, was sie zu sein scheint. Wenn du denkst das dir das gefallen könnte, kannst du die ersten zehn Kapitel gratis im Internet lesen.“ Dann gebe ich ihnen den Link zur Leseprobe: http://browseinside.harperteen.com/index.aspx?isbn13=9780061450549

Warum schreiben Sie über verschiedene Gruppen von magischen oder übersinnlichen Menschen? Das ist das erste Mal, dass ich so etwas lese, meistens geht es doch entweder um Werwölfe oder Vampire oder Magier. Wenn ich jetzt gemein wäre, würde ich sagen, Sie konnten sich einfach nicht entscheiden.

✰ Tatsächlich ist es eher so, dass es sehr selten ist, dass in einer paranormalen Fantasyserie nur eine von diesen Gruppen auftaucht. Wenn man mehr als eine hat, ergibt sich mehr Abwechslung und es gibt mehr Möglichkeiten für Konflikte.

Haben Sie eine Lieblingsfigur in den Romanen? Vielleicht Chloe, die Erzählerin?

 ✰ Ich habe keinen Liebling in der Serie, aber ich habe besonders viel Spaß, wenn ich über die komplizierteren Personen schreibe. Derek ist lustig, genau wie Tori.

Chloe Saunder, die Erzählerin, kann Tote erwecken, macht dies aber ohne Absicht. Ist es nicht ein wenig beängstigend für junge Leser mit so vielen Leichen konfrontiert zu werden?

✰ Überhaupt nicht. Wenn überhaupt, dann stelle ich fest, dass meine jüngeren Leser viel besser mit düsteren Geschichten umgehen können als meine älteren Leser. Darüber hat sich noch niemand beschwert. Und auch meine Lektoren haben mich nie darum gebeten, mich etwas zurückzunehmen. Die Bücher sind ja auch nicht für Kinder gedacht – sie sind für Jugendliche.

All diese Jugendlichen haben eins gemeinsam – sie haben kein Zuhause weil man sie für abartig hält. Sie sind auf den ersten Blick schwach, aber wenn sie sich zusammenschließen, werden sie stark. Ist das Ihre Botschaft? Auch wenn man anders ist, kann man stark sein, solange man Freunde hat?

 ✰ Es ist keine direkte Botschaft, aber ich schätze es, wenn Menschen zusammen etwas bewirken. Menschen sind für gewöhnlich erfolgreicher, wenn sie ihre Fähigkeiten und Talente miteinander verbinden um ein Problem zu lösen.

Was mich am meisten beunruhigt hat ist, dass diese Jugendlichen niemandem vertrauen können. Sie sind immer auf der Flucht und können sich nur kurz ausruhen. Es ist immer der gleiche Konflikt, Jugendliche gegen Erwachsene. Warum? Aufgrund dessen, was sie ihnen angetan haben?

 ✰ Das ist typisch für Jugendliteratur. Wenn sie sich an Erwachsene wenden könnten, dann würden die Erwachsenen die Probleme für die Jugendlichen lösen. In Roman für Jugendliche geht es darum, dass junge Menschen ihre eigenen Fähigkeiten entdecken.

Ich fand die Passagen über Genetik ein wenig vage und konnte sie nicht wirklich verstehen. Warum haben Sie sich nicht mehr darauf konzentriert? Weil es nicht wirklich wichtig ist oder wollten Sie ihre Leser nicht unnötig mit wissenschaftlichen Informationen langweilen?

 ✰ Ich habe ausführlich dazu recherchiert, aber ich wollte meine Leser nicht damit langweilen, dass ich ihnen das beweise und sie mit unnützen Fakten zumülle. Den Leser interessiert die Geschichte, nicht der wissenschaftliche Hintergrund.

Warum gibt es keine klare Trennung zwischen Gut und Böse? Meiner Meinung nach gibt das der Trilogie unglaublich viel Spannung und ich habe es genossen zu raten, wer gut und wer böse ist. Aber noch einmal  – ist das nicht ein wenig beängstigend? Nicht zu wissen, wem man vertrauen kann?

 Ich glaube nicht, dass man gut und böse immer voneinander unterscheiden kann. Gute Menschen tun böse Dinge und umgekehrt. Darauf gehe ich in meinen Romane für Erwachsene noch mehr ein als in meinen Jugendromanen, aber ich baue diese Elemente einfach gerne ein um der Geschichte unerwartete Wendungen zu geben und um meine Leser zu verunsichern.

Wird es eine Fortsetzung geben oder belassen Sie die Trilogie wie sie ist, mit einem offenen Ende? Ich finde, dass eine Menge Potential für eine Fortsetzung vorhanden ist und ich glaube, dass viele Leser gerne wissen würden, wie es mit Chloe, Tori, Derek und Simon weitergeht.

✰ Es wird definitiv ein weiteres Buch geben. Sie werden im letzten Buch der Darkness Rising-Trilogie zurückkehren (insgesamt sind das dann sechs Bücher) und ich habe einen Vertrag für drei weitere Bücher.

Was kommt nach den Dunklen Mächten?

✰ Ich habe einen Vertrag für sechs weitere Jugendbücher. Sie sind im selben Umfeld angesiedelt, eine andere Gruppe von Versuchsobjekten der Edison Gruppe. Ich arbeite hier ähnlich wie ich auch bei meinen Romanen für Erwachsene vorgehe. Ich wechsle die Erzähler und Hauptpersonen, aber lasse mir die Möglichkeit offen, die früheren Charaktere zurückzubringen, wenn die Leser das wollen.

Wenn mir Die dunklen Mächte gefallen haben, sollte ich dann auch Ihre anderen Romane lesen? Was ist das Besondere an Ihren Romanen?

✰ Ich glaube nicht, dass es an meinen Romanen etwas Besonderes gibt. Es sind hoffentlich gute Geschichten und ich hoffe, sie unterhalten Menschen. Ich ermutige meine Leser immer dazu, eine kostenlose Leseprobe zu „versuchen“, entweder indem sie die Kapitel lesen, die man im Internet findet oder indem sie sich eins der  Bücher in der Bücherei ausleihen.

 

Möchten Sie Ihren Lesern in Deutschland noch etwas sagen?

✰ Nur, dass ich sehr dankbar für ihre Unterstützung bin! Deutschland war eines der ersten nicht-englischsprachigen Länder, das meinen Roman Die Nacht der Wölfin veröffentlicht hat, und seitdem habe ich wundervolle Unterstützung von hier erfahren.

Nochmals vielen Dank an Kelley Armstrong, dass sie meine Fragen so geduldig beantwortet hat. Die Rezensionen zu der Trilogie Die dunklen Mächte könnt ihr hier auf meinem Blog lesen.

*Gefragt* Im Interview: Leah Cohn

Leah Cohn wurde 1975 in Linz/Österreich geboren. Nach dem Studium der Theologie, Philosophie und Geschichte arbeitete sie erst einige Zeit an der Universität Salzburg und beim Fernsehen um dann ab 2006 als freie Journalistin und Autorin zu arbeiten.
2010 erschien mit Der Kuss des Morgenlichts der erste Band der Nephilim-Saga, die 2011 mit Der Fluch der Abendröte fortgesetzt wurde. Beide Bücher haben mich sehr begeistert und ich habe nicht gezögert, Leah Cohn um ein Interview für meinen Blog zu bitten. Ich freue mich sehr, dass sie zugesagt hat.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Fragen zu beantworten. Mal ganz ehrlich, wie gerne beantworten Sie Interview-Fragen? Ich kann mir vorstellen, dass es ab einem bestimmten Punkt ganz schön lästig sein kann.

✰ Wenn es interessante Fragen sind – immer wieder gerne. Als lästig empfinde ich es grundsätzlich nicht, es gehört eben zum Job.

Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zu Ihren Lesern? Suchen Sie ganz bewusst den Kontakt oder lassen Sie das eher auf sich zukommen?

✰ Ich mache gerne Lesungen oder Leserunden, beantworte E-mails, die ich bekomme, und verstehe meine Homepage inkl. Blog als Service an den Leser. Wer sich für die Hintergründe meiner Bücher interessiert, kann auf diese Weise gerne mehr darüber erfahren. Darüber hinaus spreche ich aber v.a. durch meine Bücher zu meinen Lesern.

Wie sehr nehmen Sie sich Kritik zu Herzen? Sind Sie gekränkt, wenn Sie eine schlechte Rezension lesen oder können Sie das locker wegstecken?

✰ Zu Beginn meiner Autorenkarriere war das schon manchmal sehr hart. Man muss lernen, eine Kritik nicht zu persönlich zu nehmen, gerade, wenn sie aus anonymer Quelle kommt. Das heißt nicht, dass man sie abschmettern soll – aus jeder Kritik lässt sich auch etwas Konstruktives mitnehmen. Aber zugleich muss man einsehen, dass man als Autor unmöglich jeden Leser zufrieden stellen kann.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? Und welche Bedeutung hat das Schreiben in Ihrem Leben?

✰ Ich habe mir schon als kleines Kind ständig Geschichten ausgedacht – und irgendwann habe ich begonnen, sie aufzuschreiben. Schreiben ist mittlerweile mein Beruf – vor allem aber auch meine Berufung.

 

Woher haben Sie die Idee zur Nephilim-Saga genommen? Hatten Sie dabei literarische oder sonstige Inspiration?

✰ Ich habe Theologie studiert und damals schon von dieser mythologischen Figur gehört. Ich fand die Legende immer spannend, und als ich mir überlegt habe, etwas in Richtung „Paranormal Romance“ zu schreiben, habe ich gar nicht erst viel über Vampire, Werwölfe und Co. Nachgedacht, sondern es war mir gleich klar: Mein Hauptprotagonist wird ein Nephil.

Bevor ich Ihre Romane gelesen habe, waren mir Nephilim gänzlich unbekannt. Warum also gerade diese Spezies? Ist es eine Art Gegenentwurf zu den ganzen Vampiren, Engeln und Werwölfen, denen man zurzeit so zahlreich begegnet?

✰ Wie gesagt – ich fand diese biblische Legende einfach spannend und brachte als Theologin den entsprechenden Background mit. Ein bewusster Gegenentwurf war das nicht, sondern schlichtweg ein Stoff, der zu mir passte und mit dem ich mich gut identifizieren konnte.

Wie lange mussten Sie recherchieren, um die Nephilim glaubhaft darstellen zu können? Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass da Einiges an Recherche hinter steckt.

✰ Ich konnte auf sehr viel Vorwissen aufbauen, da ich mich jahrelang mit der Bibel und den apokryphen Schriften auseinandergesetzt habe. Auch das Thema „Engel“ hat mich immer interessiert. Von daher habe ich vertrautes Terrain betreten und musste mir zwar vieles, aber nicht alles aneignen.

Warum ist Sophie so jung? Besteht darin nicht die Gefahr, dass sie als naives Dummchen abgestempelt wird, die gleich vom ersten Liebhaber schwanger wird?

✰ Ohne Zweifel hat mir das als überzeugte Feministin auch ein bisschen Bauchschmerzen bereitet. Allerdings sehe ich Sophie nicht gerade als Role Model – denn welche junge Frau begegnet schon einem gutaussehenden Nephil? Auch wenn ich niemandem und insbesondere jungen Frauen keinesfalls raten würde, ihre Karriere für die Liebe aufzugeben, so empfinde ich eine Schwangerschaft nie als Katastrophe. Für den größeren Fehler, als schwanger zu werden, halte ich bei Sophie, dass sie danach nicht um ihre ursprünglichen Träume kämpft, obwohl sie durchaus die Möglichkeiten dazu hätte.

Trotz ihres jugendlichen Alters wirkt Sophie doch sehr reif, besonders im zweiten Band. Sehen Sie sie als eine Art Vorbild für junge alleinerziehende Mütter?

✰ Ich finde es gibt keinen Idealtypus „Mutter“, dem man – ob jung oder alt – zu entsprechen hat. Jeder muss da selbst seinen Weg finden. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass man als junge Mutter früher und schneller erwachsen wird. Jung und alleinerziehend ist in jedem Fall eine Kombination, die Respekt verdient. Ich bin seit einigen Monaten selbst Mutter einer kleinen Tochter – und ehrlich gesagt sehr dankbar, dass ich schon viel Lebenserfahrung mitbringe und einen Partner an meiner Seite habe.

Gibt es Aspekte Ihrer eigenen Persönlichkeit in Sophie?

✰ Die Liebe zur Musik, die Vorliebe für ein zurückgezogenes Leben, die Sensibilität.

Wie viele Bände werden noch folgen – und wie wird es mit Aurora, Nathan und Sophie weitergehen?

✰ Darüber kann ich leider noch nichts verraten.

Könnten Sie sich vorstellen, dass die Nephilim-Saga verfilmt wird?

✰ Sehr gut sogar!

Wie wird es für Sie weitergehen, wenn die Nephilim-Saga abgeschlossen ist? Haben Sie schon Ideen in der berühmten Schublade liegen?

 ✰ „Leah Cohn“ ist ja nur eines von mehreren Pseudonymen – ich schreibe außerdem unter den Namen Julia Kröhn oder Carla Federico jede Menge anderer Bücher. In jedem Fall habe ich aber viele Ideen speziell für Fantasy- und Mysterybücher.

Ich überlasse Ihnen das letzte Wort. Möchten Sie Ihren Lesern vielleicht noch ein paar letzte Worte hinterlassen?

✰ Danke, danke, dass es noch immer so viele Menschen gibt, die Bücher lesen und sich auf diese Weise ganz auf fremde Welten einlassen! Wie schrecklich wäre es für die, die so gerne Geschichten erzählen wollen, wenn es keine mehr gäbe, die bereit sind, sie zu hören!

Und ich sage danke, Leah Cohn für das Interview und die Zeit, die sie sich genommen hat. Schaut doch einfach mal auf ihrer Homepage vorbei.

*Gefragt* Im Interview: Nataša Dragnić

Nataša Dragnić, 1965 in Kroatien geboren, ist direkt mit ihrem Debütroman Jeden Tag, jede Stunde der internationale Durchbruch gelungen. Nicht nur deshalb ein Grund für mich, sie um ein Interview zu bitten – es ist mir auch persönlich ein großes Bedürfnis, denn schon jetzt ist ihr Roman für mich eines der Lesehighlights in diesem Jahr. Ich freue mich sehr, dass sich Frau Dragnić die Zeit genommen hat, mir meine Fragen zu beantworten.

 

Frau Dragnić, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Sie haben doch bestimmt viele solcher Anfragen, wenn man bedenkt, dass Ihr Buch schon vor Erscheinen in 20 Länder verkauft wurde. Wie gehen Sie mit diesem Erfolg um?

✰In 22. Es ist aber immer noch ein stiller Erfolg, man darf nicht an DSDS oder Paparazzi denken, ich brauche weder eine schwarze Brille noch einen großen Hut…Ab und zu werde ich in Erlangen angesprochen, aber das ist eher angenehm… Ansonsten lässt man mich in Ruhe.

 

Haben Sie damit gerechnet, dass Jeden Tag, jede Stunde so erfolgreich sein würde? Und übt das jetzt nicht einen unglaublichen Druck auf Sie aus? Besonders in Bezug auf einen zweiten Roman, wie gehen Sie mit der Erwartungshaltung um?

✰Ich habe mit diesem Erfolg nicht gerechnet, das kann man auch nicht. Mein Ziel war immer, mein Buch in der Buchhandlung zu sehen oder aber es bestellen zu können. Weiter habe ich nicht gedacht oder geträumt. Alles was passiert ist, nachdem ich meinen Agenten, Oliver Brauer gefunden habe und er den Verlag, DVA, ist mehr als Verwirklichung eines Traumes, wie gewagt er auch sein mochte. Es ist einfach wunderbar, einmalig. Und diese Einmaligkeit ist ein guter Schutz gegen den Druck, denn per Definition ist dieser Erfolg nicht zu toppen! Und da ich seit 40 Jahren schreibe, werde ich einfach weiter schreiben und den Lesern wird es hoffentlich gefallen, aber ich kann nur so und das schreiben, wie und was ich schreibe…

 

Schreiben Sie bereits an Ihrem zweiten Roman? Wenn ja, lässt er sich mit Jeden Tag, jede Stunde vergleichen oder haben Sie sich hier bewusst für ein anderes Thema, vielleicht sogar für ein anderes Genre entschieden?

 ✰Ich beschäftige mich gedanklich mit verschiedenen Projekten, die mich alle interessieren und die alle mit meinem Thema zu tun haben: die Liebe. Im breitesten Sinne des Wortes. Was als Nächstes kommt, werden wir sehen, ich lasse mich auch gerne überraschen…

 

Ich würde gerne auf Jeden Tag, jede Stunde zurückkommen. Würden Sie ihn als Liebesroman bezeichnen? Oder eher als Entwicklungsroman? Gibt es überhaupt ein Genre in die Sie ihn einordnen würden?

 ✰Es ist ein Liebesroman. Ich habe keine Angst, ihn als solchen zu bezeichnen. Ein Liebesroman, in dem verschiedene Entwicklungen zustande kommen.

 

Mich hat besonders die Bedeutung von Schicksal berührt, die Art, wie in Lukas und Doras Leben alles so geschieht, wie es geschehen muss, aber das dazu führt, dass die beiden immer wieder aneinander vorbeilaufen. Glauben Sie selbst an Schicksal, oder gar an so etwas wie Vorbestimmung?

✰Schicksal ist ein Wort, das ich nicht besonders mag. Es ist zu vorbelastet. Ich glaube, dass wir alle alles über unser Leben wissen, es ist in uns. Wir vergessen es nur manchmal oder oft oder wir verlieren den Kontakt zu diesem Wissen, zu unserem Wesen. Zu dem Bauchgefühl. Ich glaube fest daran, dass wir alle unseren Weg haben und wenn es geschehen soll/muss, dann wird es auch. Natürlich wenn wir auch dafür etwas tun. Wir brauchen Geduld, Zuversicht und Glauben an uns und daran, dass alles einen Sinn macht, auch wenn wir ihn nicht gleich verstehen. Wir leben, um zu lernen. Das ist unsere Aufgabe im Leben.

 

Wieso haben Sie sich für ein offenes Ende entschieden – ich lese es jedenfalls so – in dem ungewiss ist, ob es ein Happy End gibt oder nicht?

✰Ich mag es, dem Leser diese Freiheit anzubieten, es ist sein Buch: In dem Moment, in dem es in den Laden kommt, gehört es ihm und nicht mehr dem Autor. Wer bin ich, um zu bestimmen…

 

Glauben Sie daran, dass es Menschen gibt, die füreinander bestimmt sind? Und das, wenn einem dieses Glück begegnet, es sich lohnt, dafür zu kämpfen? Um ehrlich zu sein, fehlt mir bei Dora und Luka nämlich ein wenig dieser Kampfeswille, die beiden fügen sich ja doch mehr oder weniger ihrem Schicksal.

✰Ja, ich glaube, dass es so etwas gibt und ja, ich glaube, dass man dafür kämpfen soll. Aber nicht jeder kann das. Dora und Luka sind keine idealen Menschen, sie sind so wie sie sind, sie haben ihr Bestes gegeben. Ich denke auch, ich hätte es anders gemacht, aber keiner von uns weiß, wie er sich in einer Situation verhalten würde. Ich fühle mit den beiden.

 

Gibt es einen der beiden Protagonisten, der Ihnen mehr am Herzen liegt als der andere? Und wenn ja, wieso? Hätten Sie sich auch vorstellen können, einen der beiden sterben zu lassen?

✰Ich liebe sie beide. Ich habe mich mit ihnen gefreut und geweint und sie haben mich manchmal sehr geärgert. Aber nie hätte ich sie sterben lassen, auch wenn Dora in der allerersten Fassung sterbenskrank war, als sie Luka zum letzten Mal besuchte. Als ich dann weiter schrieb, passte das nicht mehr, es wäre zu viel gewesen.

 

Ist es Ihnen schwer gefallen, auf Deutsch zu schreiben? Und – wahrscheinlich haben Sie diese Frage schon tausende Male beantworten müssen – wieso haben Sie sich dafür entschieden, auf Deutsch zu schreiben? Wäre es nicht leichter gewesen, bei einem so intimen Thema in Ihrer Muttersprache zu schreiben? Zudem ein Großteil der Handlung ja auch in Kroatien spielt.

✰Ich habe keine rationale Antwort darauf. Ich kann nur sagen: Es „kam“ mir auf Deutsch. Es war nie eine Frage. Es war selbstverständlich und völlig natürlich. Deutsch ist die Sprache, in der ich schon seit über 16 Jahren lebe und denke und träume. Und sie ist unglaublich kreativ und gibt einem enorme Freiheiten beim sprachlichen Schaffen. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, in einer anderen Sprache zu schreiben.

 

Werden Sie in Zukunft auch in Deutsch schreiben, oder werden Sie ins Kroatische wechseln?

✰Solange ich in Deutschland lebe, werde ich in Deutsch schreiben, das ist sicher. Aber wer weiß, wir werden sehen, wie mir welche Texte „kommen“ werden!

 

Haben Sie vor Jeden Tag, jede Stunde schon geschrieben? Wie haben Sie mit dem Schreiben angefangen – und welche Ratschläge würden Sie jemandem geben, der den Traum hat, Schriftsteller zu werden?

✰Ich habe mit 6 Jahren angefangen zu schreiben und habe immer geschrieben. Es ist ein Bedürfnis. Ein Muss. Aber erst vor ein paar Jahren habe ich angefangen, mich mit dem Buch-„Geschäft“ zu beschäftigen: Ich habe entschieden, dass ich jetzt auch veröffentlicht werden wollte. Es war ein langer Weg. Man braucht viel Geduld und Ausdauer und vor allem Leidenschaft. Und Glück. Und man braucht Menschen, mit denen man das teilen kann, denn Schreiben ist eine einsame Tätigkeit. Wenn man Schriftsteller werden will, muss man zuerst schreiben, immer wieder schreiben und nie aufgeben, auch wenn es nicht gleich klappt. Immer weiter machen. Ein wahrer Schriftsteller hat keine Wahl.

 

Wenn Sie einem Leser in einem Satz erzählen müssten, warum es sich lohnt, Ihr Buch zu lesen – wie würde dieser Satz lauten? Und was wollten Sie ihren Lesern schon immer mal sagen – hier und jetzt haben Sie die Möglichkeit dazu – ich überlasse Ihnen das letzte Wort.

✰Jeder, der eine Antwort auf die Frage „Wie ist es möglich, dass zwei sich lieben und doch nicht so richtig zueinander finden?“ sucht, soll dieses Buch lesen. Und wenn der Leser beim Lesen das Salz auf der Haut spürt, habe ich mein Ziel erreicht. Ich danke Ihnen für Ihr Interesse.

 

 

Und ich kann mich nur noch einmal bei Frau Dragnić bedanken. Falls dieses Interview euch noch nicht davon überzeugt hat, ihren Roman zu lesen, vielleicht hilft euch meine Rezension ja bei der Entscheidung.

 

*Gefragt* Im Interview: Ally Condie

Ally Condie feiert sowohl in den USA wie auch in Deutschland mit „Die Auswahl“ sehr großen Erfolg. Die Geschichte um Cassia, die irgendwann in der Zukunft in einem System lebt, von dem es heißt, dass es perfekt sei, erinnert viele Leser an Suzanne Collins‘ „Die Tribute von Panem“.  Sie hat sich freundlicherweise dazu bereit erklärt, Philipp vom Literaturkosmos und mir einige Fragen für unsere Blogs zu beantworten:

Vielen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit nehmen, um unsere Fragen zu beantworten. Wie fühlt es sich an, Bestsellerautorin zu sein und das nicht nur in den USA, sondern weltweit. Und wie wird Ihre Familie damit fertig?

 ✰ Es ist eine Ehre für mich, dieses Interview zu machen. Vielen Dank für diese Möglichkeit. Mein Leben hat sich eigentlich nicht sehr verändert nach der Veröffentlichung des Buches. Ich verbringe immer noch die meiste Zeit des Tages damit, auf meine kleinen Kinder aufzupassen und zu schreiben, wenn diese schlafen.


Beim Lesen von „Die Auswahl“ fühlen sich viele Leser an „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins erinnert. Wurden Sie von Suzanne Collins‘ Trilogie inspiriert?

✰ Ich mag Suzanne Collins Bücher sehr! Es ist ein Kompliment mit ihr verglichen zu werden. Ich denke jedoch, dass meine größte Inspiration während des Schreibens von Die Auswahl George Orwells 1984 war. Das war der erste dystopische Roman, den ich gelesen habe. Das war in der High School und seitdem hat er mich nicht mehr losgelassen.

Wie kam es zu der Grundidee des Romans?

✰ Mein Mann und ich haben uns eines Abends darüber unterhalten, inwieweit es interessant sein könnte, wenn man den perfekten Algorithmus erfinden könnte, um Ehen zu stiften. (Er ist Volkswirt, also ist er immer an mathematischen Dingen interessiert!) Und dann haben wir uns gefragt, was passieren würde, wenn die Regierung diejenigen wären, die Zugang zu dieser Formel hätten. Außerdem entstand die Idee für die Anfangsszene in Die Auswahl aus der Erfahrung, die ich einmal an einer High School als Lehrerin gemacht habe, als ich bei einem Abschlussball die Aufsicht geführt habe. An dieses Erlebnis musste ich während der Unterhaltung mit meinem Mann denken und damit war die Anfangsszene des Romans geboren.

Bevor Sie ihr erstes Buch, „Die Auswahl“, veröffentlicht haben, waren Sie Englischlehrerin.  Wie kamen Sie zum Schreiben? Haben Sie schon immer geschrieben oder fingen Sie erst später damit an?

✰ Eigentlich ist Die Auswahl bereits mein sechster Roman, aber der erste, der bei einem großen Verlag veröffentlicht wurde. Ich habe 2003 mit dem Schreiben angefangen, als ich aufgehört habe, an der High School Englisch zu unterrichten. Ich habe es schon immer geliebt zu schreiben, aber zu unterrichten habe ich auch geliebt. Ich denke, dass sich beides gegenseitig inspiriert hat – aber es schien mir nicht möglich, beides gleichzeitig zu machen! Eines Tages wäre ich gerne beides – Schriftstellerin und Lehrerin. Vielleicht wenn meine Kinder älter sind und zur Schule gehen!

In Ihrem Roman spielen Gedichte, Romane, Bilder und viele andere künstlerische Produkte eine zentrale Rolle. Was würde es für Sie bedeuten, wenn diese plötzlich streng limitiert wären?

✰ Ich wäre am Boden zerstört! Ich bin eine begeisterte Leserin und es wäre für mich auf einer persönlichen Ebene einfach fürchterlich, so viele Bücher zu verlieren. Ich liebe auch Kunst und Musik. Meine Mutter arbeitet als Künstlerin und deshalb liebe ich es auch, Galerien zu besuchen und die Kunstwerke anderer zu bewundern, auch wenn ich selbst nicht malen oder zeichnen kann. Kunst und Kultur sind einfach das, was die Welt schön macht. Und als Mutter wäre es schlimm für mich, die Möglichkeit zu verlieren, dies alles mit meinen Kindern erkunden zu können.

Was wird Cassia und Ky als nächstes passieren? Werden Sie es schaffen, aus dem System zu entkommen oder werden sie für immer Gefangene sein?

✰ Da werdet ihr wohl die Fortsetzungen lesen müssen, um das rauszufinden! 🙂

Was macht den Roman Ihrer Meinung nach so erfolgreich?

✰ Ich hatte viel Glück, von so fantastischen Verlegern unterstützt zu werden, die so viel Werbung für „Die Auswahl“ gemacht haben. Außerdem denke ich, dass Teenager gerne Geschichten über eine Welt lesen, die ihrer eigenen so ähnlich ist – die aber immer noch anders genug ist um interessant für sie zu sein. Ich hoffe auch, dass sie die Liebesgeschichte mögen! Ich wollte wirklich, dass es in dem Buch um die Wahl zwischen zwei guten Männern geht. Ich denke, dass diese Entscheidungen – die Entscheidungen zwischen zwei guten Möglichkeiten – manchmal viel schwerer zu treffen sind, als die Entscheidungen zwischen eindeutig gut und eindeutig böse.

Irgendwann wird das Abenteuer um Cassia und Ky ja enden müssen. Haben Sie schon Ideen für danach? Arbeiten Sie schon an anderen Projekten?

✰ Ich habe viele Ideen für weitere Bücher – und jede Menge erste Kapitel auf meinem Computer gespeichert! Aber ich weiß noch nicht, auf welche Idee ich mich konzentrieren werde, wenn ich „Die Auswahl“ Serie beendet habe. Im Moment arbeite ich hart am dritten Teil und stecke alle meine Arbeit in dieses Projekt.

Irgendwelche letzten Worte an Ihre deutschen Leser?

✰ Ja! Es ist für mich wirklich aufregend, dass mein Buch in Deutschland veröffentlicht wurde. Die Familie meines Mannes lebt in München und sie waren ganz aus dem Häuschen, als sie in eine Buchhandlung gehen und dort meine Bücher im Regal sehen konnten. Ich bin meinen deutschen Lesern allen sehr dankbar für ihre wundervolle Unterstützung meines Buches. Und ich hoffe sie werden das, was ich für Cassie, Ky und Xander im Rest der Serie geplant habe, mögen.

Nochmals vielen Dank an Ally Condie, dass sie sich die Zeit für unsere  Fragen genommen hat. Philipp und ich waren beide sehr begeistert von ihrem Roman, und unsere Rezensionen könnt ihr natürlich auch im Literaturkosmos und hier auf meinem Blog lesen.